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Wirtschaftsgespräch Bauinnung Nordschwaben

Dunkle Wolken über der Baubranche

 

Ein Bericht über das Wirtschaftsgespräch der Bauinnung Nordschwaben am 19.01.2024

Dunkle Wolken über der Baubranche


Beim Wirtschaftsgespräch der Bauinnung Nordschwaben mit Politikern aus der Region herrscht Krisenstimmung.

Die Bauinnung Nordschwaben, hatte zu ihrem traditionellen Wirtschaftsgespräch in ihr Zentrum nach Nördlingen eingeladen. Ziel des Treffens mit Vertretern der Kommunalpolitik und Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem regionalen Bauhandwerk, war eine Diskussion über die aktuelle Lage am Bau. Wolfram Uhl, Obermeister der Bauinnung, begrüßte mit ernster Miene die Gäste sowie den Hauptgeschäftsführer Landesverbandes der Bayerischen Bauinnungen (LBB) Andreas Demharter, der die Veranstaltung moderierte.
„Rapide steigende Baustoffpreise, der Wegfall von Bauförderungen, vor allem aus Bundesmitteln und die überbordende Bürokratie erschweren unsere Arbeit immens und lassen Aufträge wegbrechen,“ sagte Uhl und zeigte auf, dass die Baukonjunktur in der Region deutlich zurückgegangen sei. „Wir Unternehmer stehen vor großen Herausforderungen“.

Baugenehmigungen brechen dramatisch ein

Hauptgeschäftsführer Demharter untermauerte dies. Nach Erhebungen des Bundesverbandes IVD seien die Baugenehmigungen in den ersten drei Quartalen 2023 im Landkreis Dillingen um 32,6% und im Landkreis Donau-Ries um 50,5% zurückgegangen. „Dieser Rückgang ist die Folge von einem Komplettausfall der Bauförderungen des Bundes, der gestiegenen Zinsen und der hohen Standards, die das Bauen vor allem für Privatpersonen, oftmals unerschwinglich machen,“ legte Demharter in seinem Impulsreferat dar. Zudem würden private Bauherren eher abwarten, weil sie durch ständig wechselnde Vorgaben der Politik (s. Heizungsgesetz 2024) verunsichert seien und ihnen Verlässlichkeit fehle.

Fachkräfte müssen gehalten werden

Der Fachkräftemangel, der den Bauunternehmen nun seit Jahren erhebliche Probleme bereitet, bekommt durch die schlechte Auftragslage nun einen weiteren Aspekt. Dazu Obermeister Wolfram Uhl: „Selbst bei schlechter Konjunktur müssen wir unsere Beschäftigten mit allen Mitteln halten. Fachkräfte, die uns jetzt verlorengehen, werden wir bei einem Anziehen der Aufträge nicht mehr zurückgewinnen können. Effekte, wie zu Coronazeiten in der Gastronomie, dürfen wir nicht zulassen. Ich sehe da eine große Gefahr.“ Es wird die Frage sein, wie lange die Unternehmen diese Durststrecke überbrücken können.

Öffentliche Hand muss antizyklisch investieren

Die Zurückhaltung der privaten Bauherren, könnte durch Investitionen der öffentlichen Auftraggeber abgefedert werden. Das betonten unisono die kommunalen Politiker in der Diskussion. Am Bedarf und am guten Willen scheitere dies nicht. Allerdings seien die finanziellen Spielräume eng, da Landkreise und Kommunen mit zusätzlichen Aufgaben sehr an ihre Grenzen kommen. „Wir sind dankbar für unsere regionalen Bauunternehmen, die uns stets verlässliche Partner sind und wissen, dass die Prosperität unserer Heimat stark an diesen mittelständischen Firmen hängt. Deshalb investieren wir in unsere Schulen, Krankenhäuser, den Straßenbau und haben ein Brückensanierungsprogramm aufgelegt,“ sagte Landrat Stefan Rößle. Dem pflichtete der Dillinger Landrat Markus Müller bei: „Auch wir investieren wo möglich, doch es fehlen uns öffentliche Mittel gerade beim Wohnungsbau.“ Das Ziel von bundesweit 400 000 neuen Wohnungen werde keinesfalls erreicht werden. Zwar ist in Donauwörth ein neues Stadtquartier in Planung, in dem 180 Sozialwohnungen entstehen sollen, doch den Bedarf könne auch ein solches Bauvorhaben nicht decken. Neben dem Fehlen von Fördergeldern, beklagten die Oberbürgermeister Frank Kunz (Dillingen), Jürgen Sorré (Donauwörth) und David Wittner (Nördlingen) die überbordende Bürokratie, die sich wie eine Krake ausbreite. Die Vergabevorschriften hätten inzwischen eine Dimension erreicht, die von den Bauämtern kaum mehr zu stemmen sei. „Die Komplexität der Bauvorhaben ist enorm und die Auflagen werden immer größer. Um das zu bewältigen brauchen wir zusätzliches Fachpersonal, das wir aber nur schwer bekommen,“ erklärte OB Wittner. So würden Bauvorhaben unnötig in die Länge gezogen werden. Ein weiterer Hemmschuh für Bauen in angemessenem Preisniveau liege in den hohen Standards, die beispielsweise bei Sanierungen kaum erfüllt werden können und die Baukosten zusätzlich in die Höhe treiben. „Wir sehen oft, dass bei diesen Vorgaben der Bezug zur Praxis und zum Möglichen einfach verloren ist,“ beklagt Obermeister Uhl und fordert einfaches Bauen.


Keine Demos geplant

Die Frage, wie das Bauhandwerk im Schulterschluss mit den kommunalen Vertretern seine Forderungen beim Bund anbringen und durchsetzen kann, beschäftigte die teilnehmenden Unternehmen sehr. In vielen Betrieben, so Hauptgeschäftsführer Demharter vom LBB, werde der Ruf laut, ähnlich wie die Bauern auf die Straße zu gehen. „Da erreichen mich täglich Anrufe,“ sagte er. Geplant seien aktuell aber keine Demonstrationen. Eine gewisse Resignation war jedoch am Ende der Veranstaltung spürbar. (Foto&Text: Monika Treutler-Walle/treutler-text.de)

Folgende Politiker nahmen am Wirtschaftsgespräch am 19.01.2024 teil:
Frank Kunz (OB Dillingen)
Markus Müller (Landrat Dillingen)
Stefan Rößle (Landrat Donau-Ries)
Jürgen Sorré (OB Donauwörth)
David Wittner (OB Nördlingen)

Bildunterschrift:
Diskutierten über die Lage des Bauhandwerks in Nordschwaben (von links): Andreas Demharter (Hauptgeschäftsführer LBB), Wolfram Uhl (Obermeister der Bauinnung Nordschwaben). David Wittner (OB Nördlingen), Markus Müller (Landrat Dillingen), Jürgen Sorré (OB Donauwörth) und Frank Kunz (OB Dillingen)

Diskutierten über die Lage des Bauhandwerks in Nordschwaben (von links): Andreas Demharter (Hauptgeschäftsführer LBB), Wolfram Uhl (Obermeister der Bauinnung Nordschwaben). David Wittner (OB Nördlingen), Markus Müller (Landrat Dillingen), Jürgen Sorré (OB Donauwörth) und Frank Kunz (OB Dillingen)